Elvid Srebric

Entwicklung · 05 Präsenz

Wofür das alles?

Wie Nachlassen leise passiert und wie du wächst, ohne die Menschen zu verlieren, für die du es eigentlich tust.

Lesezeit etwa 3 Minuten

Entwicklung kann zur nächsten To-do-Liste werden. Mehr Training, mehr Lernen, mehr Projekte, mehr Ziele. Und irgendwann merkst du, dass du zwar wächst, aber die Menschen, für die du es eigentlich tust, immer seltener wirklich erreichst.

Ein Brief, den ich später lesen wollte

Meine Tochter gab mir einen Brief. Ich war gerade auf dem Sprung, um mich mit einem Freund zu treffen. „Ich lese ihn, wenn ich zurück bin“, sagte ich.

Abends habe ich ihn gelesen. Darin stand: „Danke, dass du mich liebst, Papa.“

Das hat mich traurig gemacht. Es hätte mich fünf Minuten gekostet, ihn sofort zu lesen. Diese fünf Minuten habe ich mir nicht genommen. Danach habe ich ihr gesagt, dass ich sie lieb habe.

Es war nicht ein schlechter Tag

Das Eigentliche an diesem Brief war nicht der eine Tag. Er hat mich daran erinnert, dass ich nachgelassen hatte, mich auf die Momente mit meinen Kindern wirklich einzulassen. Nicht auf einmal, sondern schleichend.

Genau so funktioniert es. Niemand beschließt, nicht mehr da zu sein. Es sind die vielen „gleich“ und „später“. Jedes einzelne ist harmlos. Zusammen werden sie zu Wochen, in denen du anwesend warst, aber nicht da.

Niemand beschließt, nicht mehr da zu sein. Es passiert leise.

Es geht nicht nur um Kinder

Bei mir waren es die Kinder. Bei dir sind es vielleicht dein Partner, deine Eltern oder ein Freund, den du seit Monaten anrufen wolltest. Die Menschen, die bleiben, wenn Jobs, Projekte und Ziele wechseln.

Gerade wer an sich arbeitet, ist dafür anfällig. Denn Entwicklung fühlt sich wichtig an, und sie ist es auch. Aber sie hat einen blinden Fleck: Sie misst, was du schaffst, nicht, wo du da warst.

Warum Präsenz zur Entwicklung gehört

Als ich angefangen habe, besser zu schlafen und sauberer zu essen, war das Erste, was ich gemerkt habe, nicht die Waage. Es war, dass ich wieder präsent war für meine Kinder. Dass ich mithalten konnte.

Das ist für mich der eigentliche Sinn hinter allem anderen auf dieser Seite. Nicht ein besserer Lebenslauf. Nicht mehr Leistung. Sondern genug Energie, Klarheit und Ruhe, um für die Menschen da zu sein, die dir wichtig sind.

Was sich seitdem verändert hat

Der Brief hat verändert, wie ich reagiere, wenn meine Kinder etwas von mir wollen. Früher habe ich fast automatisch Nein gesagt. „Ich habe keine Zeit.“ Der Satz war draußen, bevor ich überhaupt nachgedacht hatte.

Heute nehme ich erst einmal einen tiefen Atemzug. Dann denke ich kurz nach. Und wenn ich weiß, dass es nur ein, zwei Minuten dauert, mache ich es sofort.

Das klingt klein. Aber es ist der Unterschied zwischen da sein und nur im Raum sein.

Probier das

  1. Erst atmen, dann antworten. Bevor das automatische „Keine Zeit“ rausrutscht: einmal tief Luft holen und kurz nachdenken.
  2. Die Fünf-Minuten-Regel. Wenn ein Mensch, den du liebst, etwas von dir will, das nur ein paar Minuten dauert, mach es jetzt, nicht später.
  3. Eine Frage am Abend: Wo war ich heute wirklich da, und wo war ich nur anwesend?
  4. Plan Präsenz wie einen Termin, nicht wie das, was übrig bleibt, wenn alles andere erledigt ist.
Zum AusdruckenSieben AbendeJeden Abend zwei Minuten: Wo warst du wirklich da, und wem gibst du morgen fünf Minuten?
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Wachsen lohnt sich nur, wenn die Menschen, die dir wichtig sind, es mit dir erleben.

Frage für dich

Wem schuldest du gerade fünf Minuten?